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Ein Masseur legt einem sitzenden Mann beide Hände flach auf den Oberbauch.

Chakren-Serie · Teil 3 von 5

Was im Körper wirklich dort liegt.

Ein anatomischer Faktencheck – vom Beckenboden bis zum Scheitel.

Der dritte Teil fragt, warum gerade diese Körperregionen als so bedeutsam erlebt werden – und welche Zuordnungen nicht standhalten.

Michael Köllner · 29. September 2026 · ca. 2 Minuten Lesezeit

Ein Mann wird an Stirn und Brustkorb berührt und schaut ruhig in die Kamera.

Erlebter Körper

Doch was ist mit dem Körper selbst?

Die Geschichte der Chakren erklärt vieles. Sie beantwortet jedoch noch nicht, warum gerade bestimmte Körperregionen über lange Zeit hinweg als besonders bedeutsam erlebt werden.

Anatomische Einordnung

Was befindet sich tatsächlich an den Stellen der Chakren?

Es wäre verführerisch, jedem Chakra einfach ein Organ, eine Hormondrüse oder ein Nervengeflecht zuzuordnen und daraus zu schließen, die alten Chakrenlehren hätten diese Strukturen intuitiv erkannt. Sind die Positionen also willkürlich – oder liegen dort Körperregionen, die aufgrund ihrer Anatomie und Wahrnehmung eine besondere Bedeutung besitzen? Ein Faktencheck von unten nach oben.

  1. 1 · Muladhara

    Damm und Beckenboden

    Das Wurzelchakra wird am unteren Ende des Rumpfes verortet. Dort befindet sich mit dem Beckenboden und dem Nervus pudendus eine anatomisch und sensorisch ausgesprochen interessante Region. Halt, Muskelspannung, Ausscheidung und Genitalbereich treffen hier zusammen.1, 2

    Hält nicht stand: die Zuordnung zu den Nebennieren – diese liegen weit entfernt im oberen hinteren Bauchraum auf den Nieren.

  2. 2 · Svadhisthana

    Unterbauch, Becken und Sexualität

    Hier befinden sich Blase, Darm und die inneren Geschlechtsorgane. Sexuelle Erregung erfordert ein komplexes Zusammenspiel von autonomem Nervensystem, Gefäßreaktionen und Körperwahrnehmung.1, 3

    Die Unterscheidung: Dass der Beckenraum als Zentrum sexueller Erregung erlebt wird, ist eine physiologische Tatsache – dass dort ein Energiezentrum existiert, ist eine spirituelle Deutung.

  3. 3 · Manipura

    Warum wir Gefühle im Bauch spüren

    Im Oberbauch liegt tatsächlich der Plexus coeliacus (Solarplexus), ein großes autonomes Nervengeflecht. Zudem stehen Magen und Darm über das Nervensystem in ständiger Kommunikation mit dem Gehirn. Veränderungen von Verdauung und Muskelspannung nehmen wir als „Bauchgefühl“ wahr.4, 5

  4. 4 · Anahata

    Warum Gefühle so häufig in der Brust erlebt werden

    Herzschlag und Atmung verändern sich mit Erregung, Angst und Entspannung. Der Brustraum ist ein zentraler Wahrnehmungsraum emotionaler Zustände.6, 7

  5. 5 · Vishuddha

    Stimme und Atmung

    Der Kehlkopf, gesteuert über den Nervus vagus, ist das Organ unserer Stimme und reagiert stark auf emotionalen Stress – der sprichwörtliche „Kloß im Hals“.8, 9

    Hält nicht stand: Die Zuordnung zur Schilddrüse erklärt keine psychischen Funktionen.

  6. 6 · Ajna & 7 · Sahasrara

    Drittes Auge und Kronenchakra

    Hier überwiegt eindeutig die symbolische und spirituelle Bedeutung.10, 11

    Hält nicht stand: die Zuordnungen zu Hypophyse und Zirbeldrüse. Beide Drüsen liegen tief im Inneren des Gehirns und nicht direkt hinter der Stirn oder unter dem Scheitel.

Zwischenfazit

Es gibt durchaus Körperregionen, an denen sich Chakren mit anatomisch oder sensorisch besonders bedeutsamen Bereichen überschneiden – aber eben nicht überall. Daraus lässt sich nicht ableiten, dass Chakren selbst anatomische Strukturen sind. Chakren sind keine biologischen Organe, sondern kulturell entwickelte Bezeichnungen für Bereiche, an denen sich Körperempfindung, Aufmerksamkeit und Bedeutung miteinander verbinden.

Literatur · Studien · Primärtexte

Quellen

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11 Quellen anzeigen
  1. 1. Kelsey J. Kinter / Bruce W. Newton: „Anatomy, Abdomen and Pelvis, Pudendal Nerve“, StatPearls. StatPearls Publishing / NCBI Bookshelf. Medizinische Referenz zur sensiblen und motorischen Versorgung von Damm, Beckenboden und äußeren Genitalien durch den Nervus pudendus. NCBI Bookshelf
  2. 2. Rishi Megha et al.: „Anatomy, Abdomen and Pelvis: Adrenal Glands (Suprarenal Glands)“, StatPearls. StatPearls Publishing / NCBI Bookshelf. Anatomische Referenz zur Lage der Nebennieren auf beziehungsweise oberhalb der Nieren und damit zur Abgrenzung gegenüber einer Verortung im Beckenboden. NCBI Bookshelf
  3. 3. Dale Purves et al. (Hrsg.): „Autonomic Regulation of Sexual Function“, in: Neuroscience, 2. Aufl. Sinauer Associates, Sunderland, 2001. Neurowissenschaftliche Darstellung des Zusammenspiels von sympathischer, parasympathischer und somatischer Innervation sowie vaskulären Vorgängen bei sexueller Erregung und Genitalreaktionen. NCBI Bookshelf
  4. 4. Reena S. John et al.: „Celiac Plexus Block“, StatPearls. StatPearls Publishing / NCBI Bookshelf. Anatomische und neurophysiologische Referenz zum Plexus coeliacus, auch Solarplexus genannt, als großem autonomen Nervengeflecht im Oberbauch. NCBI Bookshelf
  5. 5. Emeran A. Mayer: „Gut feelings: the emerging biology of gut–brain communication“, Nature Reviews Neuroscience, 12, 2011, S. 453–466. Übersichtsarbeit zur wechselseitigen Kommunikation zwischen Darm und Gehirn sowie zu Zusammenhängen mit autonomen Reaktionen, Affekt und interozeptiver Wahrnehmung. Nature Reviews Neuroscience
  6. 6. Hugo D. Critchley / Sarah N. Garfinkel: „Interoception and emotion“, Current Opinion in Psychology, 17, 2017, S. 7–14. Wissenschaftliche Übersicht zur Wahrnehmung innerer Körpersignale und zu deren Bedeutung für emotionale Zustände, darunter kardiale, respiratorische und andere körperliche Signale. PubMed
  7. 7. Sylvia D. Kreibig: „Autonomic nervous system activity in emotion: a review“, Biological Psychology, 84/3, 2010, S. 394–421. Umfangreiche Übersichtsarbeit zu Veränderungen des autonomen Nervensystems bei Emotionen und zu individuellen Mustern von Herz-Kreislauf-, Atem- und weiteren körperlichen Reaktionen. PubMed
  8. 8. Adegbenro O. Fakoya / Ryan Winters / Vikas Gupta: „Anatomy, Head and Neck: Laryngeal Nerves“, StatPearls. StatPearls Publishing / NCBI Bookshelf. Anatomische Referenz zur Innervation des Kehlkopfs durch Äste des Nervus vagus und zu ihrer Bedeutung für die Stimmfunktion. NCBI Bookshelf
  9. 9. Bong Eun Lee / Gwang Ha Kim: „Globus pharyngeus: A review of its etiology, diagnosis and treatment“, World Journal of Gastroenterology, 18/20, 2012, S. 2462–2471. Medizinische Übersichtsarbeit zum sogenannten Globusgefühl oder „Kloß im Hals“ und zu möglichen Einflussfaktoren, darunter psychische Belastung und Stress. PubMed Central
  10. 10. Muthu Kuzhali Ganapathy / Prasanna Tadi: „Anatomy, Head and Neck, Pituitary Gland“, StatPearls. StatPearls Publishing / NCBI Bookshelf. Anatomische Referenz zur Hypophyse und ihrer Lage in der Sella turcica tief an der Schädelbasis. NCBI Bookshelf
  11. 11. Sadia Ilahi / Nitya Beriwal / Tahir B. Ilahi: „Physiology, Pineal Gland“, StatPearls. StatPearls Publishing / NCBI Bookshelf. Medizinische Referenz zur Zirbeldrüse und ihrer Lage tief im Gehirn zwischen den Thalami beziehungsweise hinter dem dritten Ventrikel. NCBI Bookshelf

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